Skiunfall Saison 2022/23

|


Wenn man Ski fährt, passieren manchmal Dinge. Dinge, die man nicht wollte und nicht voraussehen konnte. Bei denen man sich im Nachhinein denkt: Warum war ich so blöd? Warum bin ich an diesem einen Tag nicht einfach daheim geblieben? Warum hab ich nicht eine andere Piste gewählt?

Genauso ging es mir am 30.12. – Ich wollte nur 2 Abfahrten machen, ganz in der Früh. Dann heim Frühstücken und mich weiter auf meinen Umzug vorbereiten. Es blieb bei 1er-Abfahrt – und diese war schneller vorbei als mir lieb war.

Das ganze hab ich auch mit der Kamera gefilmt. Bis zum Schluss. Aber noch fühle ich mich nicht bereit, mir das Video anzusehen und für euch vorzubereiten. Wer weiß, vielleicht sehe ich wie sich mein Knie um 180 Grad dreht – wäre schon etwas ekelig, speziell als ich diese ersten Zeilen schreibe, der Unfall noch keine 24 Stunden her ist.

Der ganze Bericht hier ist für mich ein bisschen das Aufarbeiten der Ereignisse – denn um ganz ehrlich mit euch zu sein, mir geht es gerade nicht allzu gut, wenn ich zurückdenke oder an die nächsten Tage / Wochen.

Du willst noch mehr erfahren? Ich halte euch am laufenden mit meinem E-Mail Newsletter. Wie es mit dem Unfall weitergeht, was so alles neu rauskommt und wie ich die Zeit nutzen werde, die ich jetzt dann im Krankenstand sein muss. Denn aus allem schlechten, was passiert, sollte man das Beste herausholen.

Vor dem Unfall

Ich wollte an diesem Tag gar nicht raus. Mir war das raufgehen zu hart, ich wusste das viel zu viel los ist und man eh nur bis 9 vernünftig fahren kann. Aber ich dachte mir, mit meinem Umzug im Jänner, wer weiß, wann ich wieder auf den Skiiern stehen kann. Also bin ich los.

Ich wollte gleich mit der Itterer Abfahrt starten, meine Heimatabfahrt, die ich in- und auswendig kenne. Und eben genau jene Abfahrt, auf welcher mein Freund letztes Jahr sich das vordere Kreuzband zu Weihnachten gerissen hat. Dieses Ereignis findet ihr übrigens bei Skifahren zu Weihnachten.

Die Minuten vor dem Unfall, also die letzte Steile, die ich runter bin, dachte ich mir nur: Wie gut geht die Piste heute – Gott sei Dank hab ich meinen inneren Schweinehund überwunden.

Ein paar Sekunden später dachte ich das nicht mehr.

Der Skiunfall

Es ging alles mega schnell. Ich spürte, wie mein Ski sich verkeilte, und ich kippte. Ein Ski löste sich. Und ich wollte mich nur mehr vor dem Abhang schützen. Das gelang mir allerdings nicht wirklich. Denn es ging direkt hinunter. Zwischen den Bäumen schlitterte ich den Abhang hinab. Er war an sich nicht allzu tief, denn bald hätte mich ein Bach sicherlich aufgehalten. Also es ist nicht so das es sich um eine Klippe gehandelt hat – sonst wäre ich jetzt wohl nicht am Schreiben für euch.

Der linke Ski löste sich einfach nicht und ich wusste nicht, wie ich mich stoppen sollte. Links und rechts waren Bäume. Vor mir waren mehrere Bäume.

Doch plötzlich blieb ich mit dem Ski stecken in einem Haufen Blätter. Gott sei Dank, denn direkt vor mir war ein Baum, der hätte mich sicherlich auch gestoppt, die Frage ist nur wie.

Dann lag ich da. Am Boden. Im Abhang. Ein paar Meter unterhalb der Piste. Ohne einen blasen Schimmer, wie ich da wieder rauskomme.

Die Erkenntnis, dass etwas kaputt ist

Als Erstes zog ich mir den Ski aus. Versuchte aufzutreten. Das ging schon mal. Ich versuchte, festzustellen, ob irgendetwas kaputt ist. Keine Ahnung.

Dann suchte ich einen Weg, den Abhang wieder rauf zu kommen. Ich war mir nicht ganz sicher, ob die Skischuhe ein Hindernis oder ein Vorteil sind. Ich machte ein paar schritte und mir schoss ein Schmerz ins Linke knie ein als diese wegkippte. Fuck!

Das war absolut kein gutes Zeichen. Vielleicht war es nur eine dumme Bewegung. Ich setzte mich wieder hin.

Dann sah ich meinen Skistecken am anderen Ende. Da wo ich runter bin, aber nicht wirklich wieder raufkomme (war natürlich das steilste Stück wo es mich runtergehauen hat). Ich ging wieder zurück und versuchte zum Stecken zu kommen.

Knie ist wieder weggebrochen und Schmerz schoss ein. Unmöglich. Aber wer braucht schon Skistecken? Die kann man nachkaufen…. Erklären wir diesen Stecken einfach für verloren.

Das klingt jetzt etwas, als hätte ich diese Entscheidung leicht getroffen. Um ehrlich zu sein, ganz so einfach war es nicht. Denn ich war noch in der vollen Überzeugung, dass ich selbst die Piste runterfahren werde. Und dass da ein zweiter Stecken schon eine Hilfe sein könnte.

Mein rechter Ski lag oben auf der Piste, eindeutig eine Sturz anzeigend. Aber keiner der Vorbeirasenden blieb stehen, um zu schauen, wo der Mensch, der zum Ski gehört, eigentlich steckt. Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte. Aber in diesen Minuten da unten wünschte ich mir nicht alleine am Weg zu sein.

Ich gab mein Bestes, rauf auf die Piste zu kommen. Irgendwie, ohne mein linkes Knie falsch zu belasten. Was gar nicht so einfach ist. Noch hatte ich Hoffnung, dass es nichts allzu Schlimmes ist.

Dann war ich endlich auf der Piste. Mein erster Ski einige Meter von mir entfernt. Und genau jetzt kam natürlich kein Skifahrer. War auch etwas dumm – Erste Abfahrt um 8:20 in der Früh und dann noch eine abgelegenere Piste. Traum!

Ich stand auf, um zum Ski zu kommen. Ging mehr oder weniger – eher weniger als mehr. Aber ich kam an.

Noch war ich überzeugt, dass ich selber runterfahren würde. Das änderte sich Sekunden später.

Ich wollte mit dem Ski wieder zurück. Tat einen Schritt. Knie brach weg. Ich ließ einen Schrei von mir und ließ mich auf den Boden fallen.

Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Es ist etwas kaputt und ohne Hilfe komme ich diesen Berg nicht mehr runter.

Notruf wählen

Ich saß also da, seitlich von der Piste, schön sichtbar für alle, die kommen würden (auch wenn nicht viele kamen) und musste mir selber eingestehen, dass ich wohl die Rettung rufen muss.

Es ist mir schon fast peinlich, das zu sagen… Aber ich wusste nicht, was genau und wen genau ich anrufen muss.

Also holte ich mein Handy raus und begann mich an meinen Freund Google zu wenden. Jap ich googelte. Zuerst im Skigebiet + Unfall – Vielleicht kann ich ja direkt die Pistenrettung rufen oder muss ich vorher die Rettung anrufen? Oder ist dafür die Bergrettung zuständig?

Nachdem Pistenrettung mich nicht wirklich weiter gebraucht hat und auch nicht Unfall + Skigebiet (Ehrlich liebe Skigebietbesitzer ihr solltet das auf eure Website bringen, mit den wichtigsten Notrufnummern und verhalten im Notfall) wählte ich 140, die Bergrettung.

Ziemlich effizient ging es gleich zur Sache: Wo bist du? Was ist passiert? Name? Geburtsdatum? Kommt die Pistenrettung zu da wo du bist? Bitte Piste markieren mit den Skiern über Kreuz – Ja etwas schwer ich hab nur einen Ski und der andere steht am andern Ende und ich kann nicht mehr aufstehen… Aber man sieht mich von Meter Entfernung.

Kurz darauf blieb der erste stehen. Ein Deutscher Skiurlauber – und ich hab mir geschworen, nie wieder über Deutsche Skiurlauber zu schimpfen. Das war nämlich der einzige, der stehen blieb.

Er machte mir das Sicherheit-Kreuz und wartete mit mir auf die Pistenrettung. Die kam, Gott sei Dank schneller als gedacht, denn ich war, schon etwas durchgefroren.

Pistenrettung

Die Pistenrettung kam auf Ski. So hab ich mir das nicht vorgestellt. Und mit einer Liege wie einen steifen Schlitten.

Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie ich mich verflucht habe auf einer der steilsten Pisten in der Skiwelt zu liegen – mit dem steilsten Teil noch vor mir. Juhu!

Wer gerne wissen will, welche Piste es war, die Talabfahrt Itter gibt es auch auf Video – ohne dass ich stürze. Bei der Mittelstation von der Gondel vorbei, vorbei an der kleinen Kirche, um die Kurve und dann nach dem steilen Stück da wo die gerade anfängt. Genau da bin ich rechts über den Hang. Ich werde dir jetzt nicht die genauen Minuten raussuchen, denn du kannst dir sicher vorstellen wie viel Lust ich gerade hab genau diese Stelle nochmal zu sehen.

Wo waren wir? Genau es kamen die netten Männer von der Pistenrettung mit einer gruseligen Liege.

Viele Fragen, Beruhigen, Fuß in eine aufblasbare Stütze bringen. Ich war am Erfrieren, sie meinten, das wäre das Adrenalin (glaube ich nicht, denn ich spürte kein Adrenalin. In meinem Kopf war nur ein „Fuck!“ und ein, warum zur Hölle).

Sie legten mich auf die Liege und packten mich ein, mit Ski und Stecken (plus dem verlorenen). Auch sie meinten, nachdem sie sahen, wo mein Stecken lag (so in etwa 3-4 m weiter oben als ich war, dass ich mega Glück gehabt hatte. Was ich mir wirklich vor Augen halten sollte, zwischen Fuck und warum musste das sein – es hätte wirklich schlimmer ausgehen können.

Wie ich da eingesperrt da lag, erklärten sie mir, dass ich mich melden sollte, wenn mir schlecht würde. Was anscheinend ganz normal sei. Das half nicht gerade meiner Angst vor diesem Gefährt, das mich vom Berg runterbringen sollte. Mir wird da zu 90 % schlecht? Sehr schön.

Dann fuhren wir los. Die Wolken und der blaue Himmel über mir. Ich sah die Bäume vorbeiziehen. Spürte jeden kleinen Hügel unter mir. Gott sei Dank war es ca. 9 Uhr in der Früh. Also war die Piste noch ein Traum zum Fahren und ohne. Was heißt, es gab nicht allzu viele Hügel.

Wir kamen unten an, ohne das mir schlecht wurde, ohne das ich rausgefallen bin, ohne große Schwierigkeiten allgemein.

Umstieg auf den Rettungswaagen

Unten angekommen dauerte es nicht lang bis die Rettung vor Ort war. Ich hatte noch Zeit meine Mama anzurufen, damit sie mir schnell Turnschuhe und eine trockene Hose vorbeibringt. Und dann natürlich meine Ski, Skihelm, Kamera, Handschuhe und Skischuhe mitnimmt. Denn das kommt alles nicht mit ins Krankenhaus.

Angekommen im Rettungswaagen wurde mir langsam auch bewusst, was jetzt auf mich zukommt. Neben einem Krankenhausbesuch auf der Ambulanz, auch danach. Ich hoffte inständig, dass es nichts Bleibendes ist, nichts, das nicht von selber weg geht. Bitte keinen vorderen Kreuzbandriss…

Nachdem was wir letztes Jahr aber mit Alvaro mitgemacht haben, waren meine Hoffnungen gering. Ich hatte dasselbe unstabile Gefühl, das er mir letztes Jahr beschrieben hatte. Geschwollen war mein Knie noch nicht, aber das war bei Alvaro auch nicht der Fall. Ich hoffte das sie im Krankenhaus ein MRT machen würden und nicht nur ein Röntgen – Meine Knochen fühlten sich nicht beschädigt an… andere Sachen allerdings schon.

Man hat mich dann nach Kufstein ins Krankenhaus gebracht.

Im Krankenhaus

Im Krankenhaus ging alles mega gut. Die Schwestern waren sehr nett. Ich konnte mir schnell die Skihose und die Unterhose ausziehen (beides war fetz nass) und meine mitgebrachte Pyjamahose anziehen. Gott sei Dank, neben dem verletzten Knie auch noch mit nassem Arsch dazusitzen und zu warten – da ist ja eine Blasenentzündung fast vorprogrammiert.

Natürlich wurde geröntgt. Und natürlich hat man am Röntgen gar nichts gesehen. Ich hab insgesamt eigentlich nur eine Stunde warten müssen. Dann kam ich zum Arzt hinein. Der riss brutal an meinem Bein herum, um festzustellen, was weh tut. Am meisten schmerzte die Innenseite des Knies. Da hätte ich fast los geschrien als er da herumbog. Der Rest war nicht so schlimm.

Seine Diagnose war, dass das seitliche Band eingerissen ist – aber nicht ganz durch, denn es wirkt noch entgegen. Das würde einfach von selber abheilen – denn solang ein Band nicht komplett durch ist, kann der Körper das wieder heilen. Also so ist es mir erklärt worden, ich bin kein Arzt noch hab ich viel Ahnung vom Körper – meine Spezialität sind Computer, da heilt gar nichts von selbst (auch wenn es manchmal so vorkommt).

Mama konnte mich danach schon wieder aus dem Krankenhaus abholen.

Sie gaben mir noch eine Schiene, damit ich das Bein nicht abwinkeln kann über eine gewisse Gradzahl. Und sie fragten noch „Brauchst du Krücken“ – „Nein, nein, das geht schon. Und wir haben noch welche daheim von meiner Oma“. Hätte ich lieber meinen Stolz heruntergeschluckt und nach dummen Krücken gefragt.

Solltest du mal einen Unfall haben, nimm einfach alles, was sie dir anbieten. Denn es geht definitiv nicht! Und die Krücken, die wir zu Hause hatten, von meiner Oma waren natürlich auch nicht auffindbar.

Komisch fand ich auch, dass man mir keine Überweisung an ein MRT gegeben hat. Es war mehr so, ruf mal deine Unfallversicherung an und meld dich bei uns wieder, sobald du ein MRT gemacht hast. Was ich bis heute nicht ganz verstehe, wenn ich ein MRT nicht privat mache, brauche ich doch eine Überweisung?

Wieder Zuhause

Zu Hause musste ich dann Stiegen gehen, irgendwie in die Küche kommen, irgendwie zu trockenen Klamotten kommen. Mal etwas Frühstücken. Und vor allem anrufe erledigen.

Zuerst die Unfallversicherung. Die verstand auch nicht ganz, wo das Problem mit dem MRT liegt und was sie da machen sollten. Mein Versicherungsvertreter war leider erst später erreichbar, aber der von der Zentrale meinte, ein privates MRT ist auf jeden Fall drinnen.

Ich rief also zuerst das MRT Zentrum an, in welchem Alvaro war. Mit 10.1 hätte ich da schon einen Termin bekommen. Bezahlt von der Kasse. Alvaro hat damals auch nicht lange gewartet. Das ist schon der Wahnsinn, denn im Krankenhaus kann es dir passieren, dass du 3 Monate auf ein MRT wartest.

Aber dann rief ich noch bei einer Privatklinik in der Nähe an. Schauen wir mal, ob ich da früher einen Termin bekommen. Wenn ich so zurückdenke, kann ich froh sein, dass es ein Freitag war, an welchem das passierte. Denn am Wochenende kann man nicht mal Anrufe machen.

Da konnte ich dann noch am selben Tag, 2h später vorbeikommen. Was ich auch sofort machte, denn je schneller ich weiß, was los ist, desto schneller kann ich mich darauf einstellen, was das für mich heißen wird.

Die Untersuchungen

Auf dem Weg vom Auto zum MRT stellte ich dann auch fest, dass es ohne Krücken anscheinend doch nicht geht. Was hieß, dass Mama schnell Krücken kaufen ging, während ich im MRT lag.

Habt ihr schon mal ein MRT gemacht? Das Ding ist scheiße, laut! Insgesamt waren es mehrerer Scans von 2 bis 4 Minuten und mein Knie war in etwa 15 Minuten in der Röhre. Die Mädels dort waren super nett. Ich hab Kopfhörer mit Musik aufbekommen. Partymusik, um mich auf Silvester vorzubereiten – ich hab einfach keinen Song gekannt. Merkt man daran, dass man alt wird? Wenn man keine Partymusik mehr kennt?

Aber so tragisch war es dann auch wieder nicht, denn beim Scan, der so laut war, hat man sowieso nichts von der Musik gehört.

Zur Nachbesprechung konnte ich entweder wieder ins Krankenhaus (wenn sie mir einen Termin geben) oder direkt hinunter in die Privatklinik. Was natürlich dann privat zu zahlen ist. Aber da gab es für mich eigentlich gar keine Überlegung. Entweder ich gehe runter und weiß JETZT sofort was los ist – oder ich muss keine Ahnung wie lange warten.

Und da erfuhr ich dann, dass das vordere Kreuzband durch ist. Komplett. Und noch der Meniskus etwas angerissen. Und das seitliche Band beleidigt. Und nachdem ich sportlich und jung bin, dass ich operieren muss.

Ein Traum Abschluss für 2022…

Wie gehts nun weiter? Melde dich unten an, um die Updates von dieser Geschichte direkt in deine Inbox zu bekommen.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert