Nachhaltig reisen: ein Reiseführer ohne schlechtes Gewissen

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Nachhaltig Reisen ist in den letzten Jahren zu einem wichtigen Thema geworden, ein Trend, könnte man sagen. Viele interessieren sich dafür, wie sie ihre Reisen so umweltschonend wie möglich gestalten können. Doch wie genau reist man nachhaltig? 

Dieser Reiseführer soll dir helfen, bewusst über deine Entscheidungen nachzudenken, wenn es die Reiseplanung betrifft. Und glaub mir nachhaltig Reisen heißt nicht nur auf das Fliegen zu verzichten, denn es gibt noch viele weitere Aspekte, wenn es um Nachhaltigkeit geht als nur deinen CO₂-Fußabdruck. 

Nachhaltig Reisen Titelbild
Nachhaltig Reisen – ein Reiseführer ohne schlechtes Gewissen

Der Unterschied zwischen Nachhaltigkeit und Umweltschonend

Nachhaltigkeit bedeutet mehr als nur die Vermeidung von Abfall und CO₂.  Es bedeutet, dass wir uns bemühen, unser Verhalten und unsere Aktivitäten so zu gestalten, dass sie auf lange Sicht ein positives Ergebnis haben. Und das betrifft vor allem beim Reisen sehr viele unterschiedliche Dinge, an die du im ersten Moment vielleicht gar nicht denkst.

Wenn wir von umweltschonend und Umweltschutz reden, dann geht es um die Vermeidung von Müll, weniger CO₂ produzieren und das Transportmittel zum Ziel weiße wählen. Nachhaltigkeit hingegen umfasst auch Maßnahmen, die den lokalen Gemeinschaften zugutekommen, es beschäftigt sich mit der Kultur und den Traditionen deines Reiseziels und geht weit über den Umweltschutz hinaus. 

Nachhaltigkeit ist also nicht nur auf Umweltschutz beschränkt, das ist nur ein Teil davon, es geht vor allem auch darum, die lokale Bevölkerung sowie deren Lebensqualität langfristig positiv beeinflussen. Mit dem richtigen Know-how kannst du einen großartigen Beitrag leisten und dein Reiseerlebnis wird dabei noch besser, glaub mir.

Warum nachhaltiges Reisen wichtig ist 

Mir geht es bei diesem Beitrag nicht darum, dir zu sagen, du solltest ab sofort Urlaub auf Balkonien machen, denn das ist das nachhaltigste, was es gibt. Denn ich will etwas vom CO2-Shaming weg – denn ein schlechtes Gewissen wegen eines Fluges bringt keinem etwas.

Reisen ist meiner Meinung nach mega wichtig. Man lernt andere Kulturen kennen, sieht, was in der Welt wirklich passiert und wächst über sich hinaus. Also einfach aufs Reisen zu verzichten, finde ich keine gute Lösung.

Allerdings ist die Boom-Zeit von Massentourismus bereits am Abklingen, was auch gut so ist. Denn Backpacking ist oft genau das Gegenteil – man will etwas erleben, und nicht nur im All-inclusive-Hotel am Strand sitzen und sich den Bauch am Buffet 3-mal am Tag vollschlagen.

Und genau da fängt bei mir Nachhaltigkeit beim Reisen an. Wir sollten die Länder in die wir reisen erfahren, ihre Kulturen respektieren und daran denken, dass unsere Handlungen Konsequenzen haben. Und das auch im Urlaub.

Eine nachhaltige Reise ist für mich also eine bewusste Art zu verreisen. Das bedeutet, ich informiere mich vorher über die Kultur und die Sitten des jeweiligen Landes, ich achte darauf, wie ich mit den Ressourcen umgehe und ich konsumiere bewusst. Und den wahren Fußabdruck, den wir hinterlassen, können wir nicht in einer CO₂-Bilanz messen, und erst recht nicht mit einem kleinen finanziellen Beitrag ausgleichen.

Deshalb ist für mich Nachhaltigkeit im Reisen wichtig.  

Schützen wir unseren Lebensraum auch beim Reisen

Was sind die Grundlagen für nachhaltige Reise?  

Deine nachhaltige Reise startet bereits sehr früh bei der Planung. Nämlich bei der Auswahl deiner Destination, der Art deiner Reise und natürlich wie du am besten dort hinkommst. Denn deine Planung ist sozusagen das A und O deiner Reise.

Aber dabei bleibt es nicht – auch deine Packliste kannst du nachhaltig gestalten. Du kannst bereits hier Plastik vermeiden und daran denken, dass du deine Sachen wiederverwendest. 

Auch die Auswahl deiner Unterkunft, der Aktivitäten vor Ort und dem Transport vor Ort kannst du ganz unter dem Aspekt Nachhaltigkeit tätigen.

Und zu guter Letzt zählt natürlich auch dein Verhalten vor Ort im Zielland. Respektierst du die Kultur dort? Das Leben der Leute? Wo kaufst du ein? Wie viel Müll produzierst du?

Du siehst schon, nachhaltiges Reisen beschäftigt sich mit vielen verschiedenen Aspekten. Daher hab ich dir nun ein paar Dinge zusammen gefasst, wie du vernünftige Entscheidungen für deine Reise treffen kannst. 

Tipps für deine nachhaltige Reise

#1: Die Wahl der Destination und deine nachhaltige Reise

Natürlich beeinflusst auch die Wahl deiner Destination, wie nachhaltig deine Reise werden kann. Schließlich kannst du schlecht mit dem Zug nach San Francisco fahren von uns weg, Frankreich ist hingegen sehr einfach mit dem Zug erreichbar.

Aber auch gibt es manche Länder, die einfach nur Tourismushochburgen sind und die auf den Massentourismus ausgelegt sind. Und wenn etwas sicherlich nicht nachhaltig ist, dann ist es der Massentourismus. Also muss man sich schon im Vorfeld Gedanken machen, welche Destination die Richtige ist. Ist es eher ein abgelegenes Örtchen in den französischen Bergen oder doch die Großstadt Paris?

Lieber mit dem Flieger ans andere Ende der Welt, oder hier in der Nähe bleiben?

Allerdings ist nicht nur die Destination ausschlaggebend – denn auch die Art unserer Reise beeinflusst, wie nachhaltig sie ist. Und manchmal kann ein Urlaub beim Wandern in Patagonien trotz des Fluges nachhaltiger sein als der Urlaub in Italien.

Mit dem Fahrrad unterwegs – auch eine nachhaltige Art der Fortbewegung.

#2: Welche Art von Reise willst du machen?

Eine individuelle oder organisierte Reise? Hast du Lust auf einen Rucksackurlaub oder doch lieber die Bequemlichkeit eines Hotels? Eine Woche wandern, oder nur am beheizten Pool liegen?

Und wenn du so darüber nachdenkst, was, denkst du, ist nachhaltiger?

Natürlich solltest du bei deinem Urlaub das machen, was dir lieber ist – und nicht eine Woche wandern, gehen nur, weil ich hier behaupte, dass dies nachhaltiger ist, obwohl du nichts mehr hasst als zu wandern.

Aber natürlich beeinflusst die Art von Reise auch, wie nachhaltig du sie planst. Welche Unterkünfte du buchst, wie du hinkommst, wie du dich fortbewegst.

Es gibt zum Beispiel auch organisierte Reisen, die genau auf so etwas wie Nachhaltigkeit in der lokalen Bevölkerung schauen. Bei meinen Reisen mit G-Adventure haben wir immer in kleinen Restaurants gegessen bei Leuten, die nicht mal Englisch sprachen, und unsere Unterkunft war auch mit bedacht ausgewählt und hatte oft nicht allzu viele Zimmer und sicherlich nicht 20 Sprachen an der Rezeption.

Bernia Express
Der Zug ist zumindest in Europa eine sehr nachhaltige Alternative zum Fliegen.

#3: Wähle deine Transportmittel weise

Nun kommen wir endlich zum lang ersehnten Punkt: CO₂ einsparen. Wir alle wissen, dass Fliegen nicht die beste Variante ist. Aber manche Destinationen erreicht man einfach nicht ohne Flieger und das solltest du nicht vergessen.

Wenn wir aber von Transportmittel sprechen, geht es natürlich nicht nur um das hin und heimkommen. Sondern auch, wie du dich vor Ort fortbewegt.

Hier ein paar Tipps für die Wahl des Transportmittels:

Hin- und Rückreise:

  • Überlege dir, ob du nicht mit dem Zug zur Destination kommst, oft ist das eine richtig angenehme Alternative zu Reisen und hat einige Vorteile. So kommst du mit dem Zug direkt ins Zentrum und musst nicht erst vom Flughafen in die Stadt fahren.
  • Plane deinen Flug gut, wenn du ihn nicht vermeiden kannst. Denn oft gibt es ziemlich unsinnige Strecken. Zum Beispiel kann ich von hier Zürich nach Asturias (Spanien) fliegen, indem ich zuerst nach Frankfurt rauf fliege und dann runter starte nach Spanien – das ist vielleicht nicht die direkteste Strecke, die mir einfallen würde.
  • Leih dir ein Auto, anstatt Kilometer weit anzureisen an deine Destination. Selbst das kann dir Zeit und CO₂ sparen, je nachdem wohin es geht.

Vor Ort:

  • Hast du schon mal daran gedacht, ein Fahrrad auszuleihen? Das ist eine ziemlich witzige und effektive Methode mehr von einer Stadt zu sehen als dies zu Fuß gehen würde. Und ganz nebenbei machst du noch Sport.
  • Nimm die Öffis vor Ort. Speziell in den Städten bist du sicher schneller irgendwo mit der Metro, dem Bus oder dem Zug als mit dem eigenen Auto
  • Nutze Fahrgemeinschaften wie Blabla Car. Dabei kannst du mit Leute mitfahren, die diese Strecke sowieso fahren würden.
  • Geh zu Fuß. Ja das mein ich ernst, ich war letztes Jahr 2-mal in Rom und bin die ganze Stadt zu Fuß abgelaufen. Du siehst nämlich viel mehr von der Stadt, wenn du in den Gassen herumläufst als dich in die U-Bahn zu setzen und von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu laufen. 

#4: Entscheide dich für lokale Unterkünfte, und keine Hotelketten

Auch bei der Unterkunft kann es einen großen Unterschied machen, wie nachhaltig du am Weg bist. Natürlich ist es bequemer, in einer bekannten Kette abzusteigen, wo du weißt, was dich erwartet. Aber das bedeutet auch, dass du dich an die Standards der Kette halten musst, was oft bedeutet, dass du mehr Ressourcen verbrauchst und weniger lokale Erfahrungen machst. 

Es gibt immer mehr tolle lokale Unterkünfte, die sich auf Nachhaltigkeit konzentrieren und die Gäste in die lokale Kultur eintauchen lassen. Diese Unterkünfte sind oft günstiger als die großen Ketten und bieten ein viel besseres Erlebnis. Wenn du also die Wahl hast, entscheide dich für die lokale Unterkunft! 

Auch Campen, Couchsurfing oder eine Airbnb Unterkunft kann eine wirklich gute nachhaltige Alternative sein – und zusätzlich kommt es dich vielleicht auch günstiger.

2 Leute in Wanderschuhen auf einem Gipfel in Spanien
Wie wäre es mit einem Wanderurlaub? Zu Fuß am Berg und die Natur in vollen Zügen genießen.

#5: Suche nachhaltige Aktivitäten vor Ort

Natürlich kannst du dich direkt mit den Aktivisten vor Ort auf den Flugplatz kleben. Aber es gibt auch andere nachhaltige Aktivitäten, die du vielleicht mehr genießt in deinem Urlaub.

Bewege dich in der Natur: Das ist immer eine schöne Art der Beschäftigung. Ob spazieren gehen, wandern oder Mountainbiken – aber bitte mit Rücksicht auf deine Umgebung.

Suche dir kleine lokale Anbieter heraus, denn hier gilt dasselbe wie bei der Unterkunft. Du kannst dich dem Massentourismus anhängen, oder einem lokalen Anbieter helfen.

Kaufe lokal produzierte Waren und Lebensmittel. Dabei hilfst du den kleinen Händlern in der Region. Auch ein Besuch am lokalen Bauernmarkt kann eine richtig tolle Aktivität sein, mit der du deinem Urlaub noch einmal das gewisse extra gibst.

Auch gibt es in jeder Destination diverse Walking Tours, hier bekommst du nochmals einen Einblick in die Gegend von Leuten, die sich auskennen.

Sei kreativ, wenn es darum geht, was du auf deiner Reise erlebst – es muss nicht die Schiffstour am Fluss der Stadt sein oder der Hop-On-Hop-Off Bus.

Auch die Packliste kannst du mit nachhaltigen Produkten füllen.

#6: Reise mit einer nachhaltigen Packliste

Genau darüber habe ich bereits einmal einen Blogpost verfasst und du findest sogar eine nachhaltige Packliste auf meinem Blog. Aber das Ganze ist vermutlich nicht einmal neu für dich.

Denn der Trend nachhaltig auch zu Hause zu sein, den gibt es schon viel länger. Und für Reisen finde ich die vielen Tipps sogar noch besser.

Ein wichtiger Teil ist dabei die Kosmetik. Du kannst Seife statt ein Shampoo und Duschgel in Plastikverpackung mitnehmen – aber auch wenn du anstatt kleine Shampoos zu kaufen einfach wiederbefüllbare Behälter kaufst, in die du einfach dein gewohntes Shampoo reinfüllst, ist das bereits viel nachhaltiger. 

Zum Abschminken kannst du Stofftücher verwenden, die man einfach wäscht. Auch wenn du deine Tage bekommst, kannst du auf nachhaltige Produkte setzen. Bedenke vor allem hier immer, wie du weniger Müll produzierst.

Und ein weiterer wichtiger Tipp ist natürlich immer, dass du nur das mitnimmst, was du wirklich brauchst. Ganz unabhängig von Nachhaltigkeit oder nicht – denn du schonst damit auch deinen Rücken, wenn er den Rucksack mit schleppen muss.

Kleidung kannst du öfter verwenden und sollte vielseitig verwendbar sein – nicht nur für einen einzigen Abend. Und auch deine Schuhe solltest du wohlüberlegt einpacken, denn diese brauchen vor allem eins: Platz.

Titelbild zu Packliste nachhaltig optimieren

Nachhaltig Reisen – wie du deine Packliste optimierst

Nachhaltigkeit bei der Packliste ist gar nicht so schwer, wenn du nur ein paar Dinge bedenkst.

Die „nachhaltige“ Packliste

Auch auf der Packliste kann man auf Nachhaltigkeit gehen. Ob das nun nachhaltige Kleidung ist oder bei den Kosmetikprodukten, es gibt einige Punkte auf der Liste, die wir verbessern können, unserer Umwelt zuliebe.

nachhaltige Packliste Titelbild

#7: Lerne die Kultur kennen und nimm Rücksicht

Ob du nachhaltig Reisen willst oder dir das Thema komplett egal ist, diesen Punkt solltest du immer bedenken. Es sind nicht alle Kulturen so wie unsere, und vieles, was bei uns das normalste der Welt ist, kann in anderen Kulturen absolut unhöflich und schockierend sein.

Ein großartiges Beispiel ist dabei immer die Kleidung. Während es bei uns ganz normal ist in kurzen Shorts und Röcken herumzulaufen und die Schultern zu zeigen – gibt es Kulturen, wo das nicht allzu gerne gesehen wird.

Erkundige dich daher vorher gut über die “Dos and Don’ts” deiner Destination. Und respektiere andere Kulturen und Gewohnheiten. Wenn du auf Reisen bist, bist du ein Gast in einem fremden Land – und nicht umgekehrt!

Fazit

Ich hoffe, ich konnte dir einen guten Überblick und ein paar hilfreiche Tipps geben zum Thema nachhaltig Reisen. Die Liste ist natürlich noch sicherlich nicht vollständig und du kannst noch so viel mehr unternehmen, um deine Reise nachhaltiger zu gestalten.

Sollte dir noch etwas einfallen, was man machen kann, kommentiere gerne diesen Post. Ich freue mich immer wieder auf einen Austausch mit anderen Reisenden und deren Ideen.


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